Sanfter Stachel

Szene: Die Südtiroler Formation "Jazz Fantasy" zollt einem Großen der internationalen Popmusik Tribut.

Sting, alias Gordon Sumner, ist ein Musiker, der in den letzten 25 Jahren Popgeschichte deutliche Spuren hinterlassen hat. Mitte der Achtzigerjahre verließ er seine Band "The Police" zu einem Zeitpunkt, als diese ihren Höhepunkt erreicht hatte, und konnte mit seinem ersten Soloalbum "The Dream of the blue turtle" (1985) diesen Erfolg nicht nur weiterführen, sondern gleich auf sein eigenes Konto verbuchen. Das Besondere an Sting ist, dass er bereits zu Beginn seiner Karriere die Nähe zum Jazz gesucht hatte: Kenny Kirkland (Klavier und Keyboards), Omar Hakim (Schlagzeug) und Branford Marsalis (Saxofon) waren einige der Musiker, die er in seine Band holte. Der Einfluss dieser Musiker auf die Musik von Sting war entsprechend groß: Wenn der Popgehalt seither auch stets erhalten blieb, wurden die Songs nun vielschichtiger arrangiert und musikalisch breiter angelegt. Vor diesem Hintergrund ist das Projekt, das "Jazz Fantasy" jüngst als ihre dritte CD vorgestellt haben, durchaus schlüssig und nachvollziehbar. Die Brixner Jazzer "Jazz Fantasy", die letztes Jahr ihren 10. Bandgeburtstag gefeiert haben, haben ihrerseits bereits einschlägige Erfahrung mit der Fusion von Pop und Jazz gemacht. Etwa mit ihrem 1998 live mitgeschnittenen ersten Album "Undiscovered Hits". Eingespielt im September letzten Jahres und, wie es für "Jazz Fantasy" quasi zur Tradition gehört, mit Gästen veredelt, enthält das Album neun Titel aus dem Repertoire von Sting, wobei nur "Every breath you take" aus der Zeit von "Police" stammt und zwei weitere aus der Feder seiner Mitstreiter Kenny Kirkland und Dominic Miller. "Every breath we take", so der Titel der CD, ist also keine Jukebox mit bestens bekannten "Cover-Songs". "Jazz Fantasy" räumen sich und ihren Gästen sehr viel Platz zu Improvisation ein, zitieren und variieren mit Zurückhaltung und machen aus dem Ganzen eine sehr jazzige Angelegenheit, die mit sehr viel Abwechslung aufzuwarten versteht. Von den Gästen - Franco Ambrosetti (Trompete), Marco Gotti (Klarinette und Altosax) und Andy Schnoz (E-Gitarre) - sticht vor allem der Schweizer Schnoz durch seine ungewohnten bisweilen witzigen Beiträge in "Heavy cloud no rain" und "Dream of the blue turtle" hervor. Er sorgt auch für die eine oder andere klangliche Überraschung. "Every breath we take" ist ein gut gelungenes, in sich geschlossenes, klassisches Jazzalbum und als solches weniger den Sting-Fans, sondern den Anhängern des Jazz ans Herz zu legen. Die Präsentationstournee führt noch nach noch Steinhaus ("Aggregat", 16. Dez.) und Bozen ("Carambolage", Sa., 17. Dez.). Michele Giro (Klavier), Norbert Dalsass (Bass) und Roman Hinteregger (Schlagzeug) werden dabei von der italienischen Jazzsängerin Titta Nesti begleitet.

Reinhold Giovanett, Info: www.jazzfantasy.it
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